Postmoderne

„Postmoderne - der Begriff ist in Verruf geraten, noch bevor ernsthaft die Frage erörtert worden ist, ob er helfen kann, unsere Gegenwart besser zu verstehen. Entsprungen ist er wohl der wie immer auch diffus bleibenden Einsicht, dass mit dem Fortschreiten der geschichtlichen Entwicklung auch die Moderne geschichtlich zu werden beginnt, wodurch sie in Widerspruch gerät zu dem von ihrem Begriff nicht abtrennbaren Anspruch, das Gegenwärtige unter sich zu fassen.“ (Bürger 2000: 7)

Ich bezeichne die Postmoderne bewusst als einen Zeitabschnitt, der dazu dienen soll, die vielfältigen gesellschaftlichen Umbrüche verstehen und neue Handlungsansätze entwickeln- oder sie besser einordnen zu können.  

Auffällig ist, dass mit der Postmoderne-Diskussion immer auch Begriffe wie Symbolik und Identität einen breiten Raum einnehmen. Ist die Postmoderne also eine Art zivilgesellschaftliche Kriegsführung um die Neubesetzung von Begriffen?

 

In der Tat werden mit der Postmoderne Begriffe völlig neu bewertet und in gänzlich neue Sinnzusammenhänge gestellt. Die Begriffe „Mann“ oder „Frau“ werden in ihrer Symbolik als unterdrückerische und machterhaltende Begriffe angegriffen, die es zu dekonstruieren gilt, um sie sprichwörtlich „in Schutt und Asche der Twin Towers von New York versinken zu lassen“. Erst wenn das passiert sei, könne die männliche Herrschaft über das angeblich Weibliche beendet werden. (siehe auch: Butler 1995, Benhabib 1995, Fraisse, 1995)

 

 

Damit zusammenhängend wird der Begriff der Identität ins Blickfeld gesetzt, der in der Geschlechterdiskussion seit Anfang der 90er Jahre eine wichtige Rolle spielt und mit der Frage nach dem Subjekt engstens verbunden ist.

In einem postmodernen Spannungsverhältnis bekam die Frage nach dem Subjekt eine grundlegende Bedeutung. Was eine Frau und was ein Mann sei wurde noch dadurch verkompliziert, dass postmoderne Thesen über die Konstruktion von Identität hinzukamen und ein immer stärkeres Gewicht (von Braun/ Stephan 2000: 70) erhielten. Der bis in die 80er Jahre mühsam errungene Konsens über eine stabile Kategorie von ‚Frau’ und ‚Mann’ wurde (nach von Braun und Stephan) plötzlich ebenso in Frage gestellt, wie die mühsam erzielten Konzeptionen eines festen „Frauen-Wir“ durch die damals aktive Emanzipationsbewegung. Plötzlich wurde dieses „Frauen-Wir“ durch die Kritik an der weißen, wohlhabenden, heterosexuellen und eurozentrischen Frau in Frage gestellt.

 

Die „postmoderne Verabschiedung des Subjektes“ wird bis heute heftig diskutiert und damit die „postmoderne Infragestellung fester   Identitätsvorstellungen“ als interessanter Diskussionsbeitrag gewertet. So wird Identität und Identitätsstiftendes in vielen Diskursen hinterfragt, dekonstruiert und ihre Existenz bezweifelt, denn Identität in Zeiten der Postmoderne gibt es nicht (mehr).

 

Mehr zur Postmoderne im folgenden Text PostModerne!

PostModerne.pdf
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